Häufigkit der Cystinurie bei Hunden

Wie häufig ist die Cystinurie bei Hunden und insbesondere beim Irish Terrier? Die folgende Studie liefert hierzu interessante Antworten.

 

"Canine cystine urolithiasis: A review of 1760 submissions over 35 years (1979 - 2013)"

A. Hesse, J. Hoffmann, H. Orzekowsky, R. Neiger. Can Vet J 2016;57:277–281

 

Während für die digitale Hyperkeratose die genetische Veränderung bekannt und ein Gentest verfügbar sind, wird bei der Cystinurie Typ III zwar ein Gendefekt angenommen, die genetische Anomalie ist aber noch nicht gefunden. Zudem liegt bei der Cystinurie III ein multifaktorielles Geschehen vor, weil nicht nur eine Abhängigkeit von den männlichen Geschlechtshormonen besteht, sondern auch weitere Faktoren, wie die Ernährung, das Trinkverhalten und Stoffwechselfaktoren auf die klinische Ausprägung auswirken.

 

Der Anteil von Irish Terriern in der Gesamtpopulation von Irish Terriern, die an Cystinurie TYP III erkranken, ist nicht bekannt. Eine Einschätzung über die Häufigkeit von Steinbildungen beim Irish Terrier im Vergleich zu Harnsteinen unterschiedlicher Ätiologie bei anderen Rassen vermittelt jedoch eine Größenordnung. Dies wird in dieser recht aktuellen Publikation über Harnsteine bei Hunden, die in einem deutschen Steinzentrum über einen Zeitraum von 35 Jahren analysiert worden sind, dargestellt.

Diese Studie stellt die Harnsteinanalysen eines der größten deutschen Harnstein-Analysezentrums Deutschlands von 1979 bis 2013 dar. Von den insgesamt analysierten 20.316 Harnsteinen bei Hunden waren 1760 (knapp 9 %) Cystinsteine. Insgesamt waren 109 Rassen betroffen, wobei 16 Rassen ein überdurchschnittliches Risiko für Cystinsteine (Odds Ratio > 1.0) aufwiesen. Die allermeisten Cystin-Urolithen wurden von männlichen Hunden entnommen, nur etwa 1 % stammte von Hündinnen. Der Prozentsatz der eingereichten Cystinsteine unter allen Steinen nahm im Laufe von 35 Jahren von 39 % auf 4 % ab. 130 der untersuchten Harnsteine stammten von Irish Terriern, knapp 14 % waren Cystinsteine. Damit war der Anteil von Cystinsteinen bei den Irish Terriern um den Faktor 1.7 etwas höher als in der Gesamtgruppe. Demnach bestätigt die Studie das unter Züchter*innen bekannte etwas höhere Risiko für Cystinsteine beim Irish Terrier, das leicht erhöhte Risiko ist andererseits im Vergleich zu anderen Rassen wiederum eher niedrig. Es ist z. B. etwa 70-fach erhöht beim Saluki und 30-fach erhöht beim Mastiff und Puli. Die intensive Forschung nach dem Gendefekt der Cystinurie III beim Irish Terrier lässt hoffen, dass dieser bald gefunden wird. Dann kann die Zuchtstrategie in der Rasse danach ausgerichtet werden und es besteht die Chance, dass in naher Zukunft keine Cystinsteine mehr beim Irish Terrier auftreten. Bis es soweit ist, lässt sich das Risiko für die Bildung von Cystinsteinen günstig durch eine Protein-arme Ernährung und eine hohe Flüssigkeitsaufnahme reduzieren.

Viel Spaß beim Lesen des Artikels.

 

Abstract

This study reports a retrospective evaluation of epidemiological data from cystine stones of dogs submitted to the Urinary Stone Analysis Center Bonn, Germany, over a period of 35 years. Of the 20316 uroliths submitted from 1979 to 2013, 1760 were cystine stones. In total, 109 breeds were affected with 16 breeds having an odds ratio > 1.0. Most of the cystine uroliths were retrieved from male dogs, with only 19 female dogs (1.1%) being affected. Percentage of submitted cystine stones amongst all stones decreased significantly over 35 years from 38.9% to 4.4%.

 

Das pdf des gesamten Originalartikels ist verfügbar unter: Hesse et al. 2016

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