Digitale Hyperkeratose / Corny Feet

Der folgende Text ist – leicht modifiziert – der Webseite des Fördervereins Irish Terrier im Klub für Terrier entnommen. Der Text stammt von Frau Prof. Sommerfeld-Stur, einer der weltweit am meisten ausgewiesenen Expertin im Bereich genetischer Erkrankungen bei Hunden.

Unter Hyperkeratose versteht man eine Verhornungsstörung der Pfotenballen, die dazu führt, dass das Ballenhorn rissig und unelastisch wird. In den Rissen kann es zu schmerzhaften Entzündungen kommen. Es kommt zur vermehrten Bildung von Ballenhorn, das sich in Form von seitlichen Auswüchsen zeigt. Die Krallen zeigen krankhaftes Wachstum, das zu Verformungen führt.

 

Hyperkeratose kann in unterschiedlichen Ausprägungsgraden auftreten. Die milderen Formen lassen sich durch intensive Pflege (regelmäßiges Kürzen des überschießend wachsenden Horns und der Krallen, tägliche Pflegebäder der Pfoten, regelmäßiges Eincremen) behandeln. Dennoch ist das Laufen besonders auf rauem Boden für die betroffenen Hunde schmerzhaft. Und für den/die BesitzerIn bedeutet ein Hund mit Hyperkeratose lebenslange intensive und aufwändige Pflege.

 

Die folgenden Abbildungen zeigen oben links gesunde Pfotenballen und auf den anderen Bildern an Digitaler Hyperkeratose erkrankte Pfotenballen. Die Bilder sind der Dissertation von Susanne Rudek-Vennefrohne, Hannover 2003, entnommen.

Die ersten Symptome der Hyperkeratose zeigen sich im Alter von 14 bis 28 Wochen. Daraus ergibt sich das Problem, dass man beim Kauf eines Welpen aus der alleinigen Betrachtung und Untersuchung der Pfotenballen mit etwa 9 Wochen noch nicht beurteilen kann, ob der Hund von Hyperkeratose betroffen ist. Der seit 2014 verfügbare Gen-Test (s.u.) erlaubt jedoch eine eindeutige Analyse homozygot gesunder Tiere.

 

Hyperkeratose war beim Irish Terrier früher recht stark verbreitet. Die Hyperkeratose beim Irish Terrier folgt einem autosomal rezessiven Erbgang. Daraus ergibt sich das Problem, dass Hunde, die das Defektgen in heterozygoter Form tragen, allein aus der Betrachtung des Phänotyps nicht als Anlageträger erkannt werden können und daher ihre genetische Belastung bei der Selektion nicht ohne Weiteres berücksichtigt werden kann. Trotzdem ist es auch vor der Entwicklung des Gen-Tests gelungen, die Hyperkeratose auf eine relativ niedrige Frequenz zurückzudrängen. Ein Grund dafür war, dass einige Zuchtstätten konsequente Zuchtstrategien verfolgt haben und somit Merkmalsträger und erkrankte Tier aus ihren Linien eliminieren konnten (siehe u.a. die Zuchtstätten unter www.Irish-Online.de). Ein weiterer Grund war wohl, dass im Rahmen von Ausstellungen und Zuchtzulassungen beim Irish Terrier die Pfoten auf krankhafte Veränderungen überprüft wurden und kranke Hunde keine Zuchtzulassung bekamen. Damit fand ein Prozess statt, der in der Tierzucht als Massenselektion bezeichnet wird – ein Zuchtausschluss aller Merkmalsträger. Damit allein kann man ein rezessives Defektgen zwar nicht aus der Population eliminieren, man kann seine Häufigkeit aber auf einem sehr niedrigen Niveau stabil halten. Diese Massenselektion entspricht im Wesentlichen natürlichen Selektionsbedingungen in Wildpopulationen. Auch dort bleiben genetische Defekte auf einem ganz niedrigen Niveau, wenn sie verhindern, dass betroffene Tiere zur Fortpflanzung kommen.

 

Problematisch wird es allenfalls dann, wenn ein Rüde, der heterozygoter Anlageträger ist, im Übermaß züchterisch genutzt wird. Da in einem solchen Fall das rezessive Defektgen an die Hälfte seiner Nachkommen weitergegeben wird, kann nach ein paar Generationen die Erkrankung wieder gehäuft auftreten.

 

Seit 2014 ist ein Gentest verfügbar, der die sichere Detektierung von heterozygoten Anlageträgern ermöglicht. Der Gen-Test wird z.B. von Laboklin - Labor für klinische Diagnostik durchgeführt. Damit ist es möglich, Irish Terrier auf das Vorhandensein eines kranken Gens zu testen und Genträger von vornherein aus der Zucht auszuschließen.

 

 

Vertiefende Literatur:

Binder et al. (2000): Palmoplantar hyperkeratosis in Irish Terriers: evidence of autosomal recessive inheritance. Journal of Small Animal Practice 41, 52-55.

 

Schleifer et al. (2003): Familial footpad hyperkeratosis and inheritance of keratin 2, keratin 9 and desmogelin 1 in two pedigrees of Irish Terriers. American Journal of Veterinary Research, 64, 6, 715-720.

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